• Zu Schmerzthemen, die Krankheiten/Diagnosen betreffen, gelangen Sie hier

  • Zu Schmerzthemen, die Körperbereiche oder Organe betreffen, gelangen Sie hier

  • Zu allgemeinen und therapie-bezogenen Schmerzthemen gelangen Sie hier

Seit dem 1.4.2007 haben alle gesetzlich versicherte Personen einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation und können sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst aussuchen.
Auch daß für eine Rehabilitation bei Berufstätigen automatisch die Rentenversicherung zuständig ist, stimmt so nicht (mehr).
Quelle: Web-Seite der Bundesregierung:
http://www.die-gesundheitsreform.de oder zusammengefaßt hier (einfach anklicken)

Sozialgericht stärkt die Rechte von Schmerzpatienten:
Danach hat ein Schmerzpatient das Recht in einer schmerztherapeutischen Klinik behandelt zu werden, er muß also nicht irgendeine der sonst üblicherweise angebotenen Rehabilitationen akzeptieren sondern kann unter Hinweis auf das Urteil gleich Widerspruch einlegen. Hier gelangen Sie zu dem Urteil
(einfach anklicken). Pressemitteilung dazu: http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=051207009&phrase=schmerzklinik

Mittlerweile gibt es zu diesem Thema ein weiteres Urteil, diesmal sogar vom Landessozialgericht Hamburg. Danach hat ein Schmerzpatient auch Anspruch auf moderne Blockadetechniken mit eingepflanztem Katheter. Der Hintergrund war der, daß eine Rentenversicherung einen Patienten in eine Reha-Klinik schicken wollte, in der der Leitende Arzt zwar die Zusatzausbildung "Spezielle Schmerztherapie" besitzt, aber die modernen, kontinuierlichen Schmerzausschaltungstechniken nicht durchgeführt werden (können). Hier gelangen Sie zu diesem Urteil (einfach anklicken).

Links zu empfehlenswerten Einrichtungen:

Schmerzklinik (1) Schmerzklinik (2) Schmerzklinik (3)Schmerzklinik (4) Schmerzklinik (5) Schmerzklinik (6)

Informationen über Schmerzerkrankungen

CRPS

Der Begriff

CRPS ist die gängige Abkürzung für den engl. Begriff complex regional pain syndrome, auf deutsch: kom plexes reg ionales Schmerzsyndrom:

Ein CRPS kann in 2 Varianten auftreten:

1.      CRPS Ty p 1 und

2.      CRPS Ty p 2

Zu den einzelnen Schmerzerkrankungen

1) CRPS Ty p I, früher als Mor bus Sudec k bezeichnet, weitere Synonyme (= wie die gleiche Krankheit sonst noch bezeichnet wird): Algodystrophie, Algoneurodystrophie, Sympathalgie oder sympathische Reflexdystrophie.

Diese Schmerzerkrankung tritt sehr selten auf, Schätzungen gehen von ca. 14000 Fällen pro Jahr aus. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, Kinder ganz selten. Die Angaben, wie oft es nach einem Unfall bzw. nach einer Verletzung (dazu zählen auch operative Eingriffe) zu dieser Schmerzkrankheit kommt, variieren sehr stark, sie reichen von 0,04 bis 4 %.

Leider wird diese Erkrankung, deren genaue Ursache auch heute noch unbekannt ist, leider sehr häufig von den Ärzten nicht erkannt. Dazu der Mitteldeutsche Rundfunk (www.mdr.de):
Es ist immer noch so, dass die Kenntnis dieser Krankheit nicht so verbreitet ist, wie es sein müsste. Es ist immer noch problematisch, dass die Symptome nicht erkannt werden, nicht ernst genommen werden, nicht geglaubt werden, nicht registriert werden und mit einem längeren Heilungsverlauf in Zusammenhang gebracht werden, während wirklich eine solche Erkran kung eingetreten ist."

Die Schmerzkrankheit tritt nur im Bereich der Extremitäten (= Arme, Beine) auf und kann, unabhängig mal von den regelmäßig beklagten, heftigen Schmerzen, eigentlich nicht übersehen werden:

Zu einem CRPS I kann es nach jeder, auch geringer Arm- oder Bein verletzung kommen, häufiger auch nach Operationen. Da diese Kran kheit aber nicht zwingend nach jeder Verle tzung auftritt, muß es eine individuelle Kran kheitsdisposition (= Anfälligkeit für eine Kran kheit) mit besonderer vegetativer (= das unwillkürliche Nervensystem betreffende) Labilität geben.

Die Patienten klagen über einen diffusen, heftigen Brennschmerz, ähnlich wie bei einer Kausalgie (= Schmerzen nach Nervenverletzung). Häufig besteht eine Hyperästhesie (= Sensibilitätsstörung als Überempfindlichkeit gegenüber allen örtlichen Reizen) bis hin zu Allodynie (= Berührungsschmerzen schon bei leichter, normalerweise nicht schmerzhafter Berührung). Aufgrund der Zirkulationsstörung sind die betroffenen Partien meist bläulich livide verfärbt und ödematös (= aufgequollen) verändert (siehe Abbildung). Häufig bemerken die Patienten eine erhöhte Schweißneigung im betroffenen Körperbereich. Beteiligte Gelenk e versteifen.

Beim CRPS I liegt eine Algod
ystroph ie (= schmerzhafte Organstörung) in ausgeprägter Form vor.
Die Schmerzerkrankung beruht auf einer Zirkulationsstörung mit anschließender Bildung von schrumpfendem Bindegewebe und nachfolgenden bleibenden Funktionsstörungen. Die Art der Gewebsveränderungen läßt an eine lokal begrenzte vegetative Entgleisung denken (Debrunner 1988), es liegt eine lokale
(= örtliche) Stoffwechselstörung vor.

Der Mor bus Sudec k läuft (meist) in drei Stadien ab:

1.Akutes Stadium
Im Vordergrund stehen Schmerzen, auch in Ruhe, Schwellung infolge eines Ödems
(= krankhafte Flüssigkeitsansammlung) und hochgradige Funktionseinschränkung. Die Haut ist rötlich/bläulich verfärbt und teigig verändert sowie überwärmt.

2.Dystrophisches (= durch Mangel- oder Fehlernährung bedingte Störungen und Veränderungen einzelner Körperteile betreffendes) Stadium
Das Gewebe atroph
iert (= schwindet, bildet sich zurück) und die Schwellung geht zurück. Schmerzen lassen nach und die Temperatur im betroffenen Körperbereich ist herabgesetzt.

3.Stadium der Atrop hie
Knochen und Weichteile sind atroph
iert (= haben sich zurückgebildet), auch die Muskeln, beteiligte Gelenk kapseln sind geschrumpft. Es besteht eine deutliche Bewegung seinschränkung. Die Haut ist dünn, blaß, beteiligte Knochen sind fleckig entkalkt (Röntgenbild!).

Besonders gravierend ist ein Morbus Sudeck im Bereich der Hand, weil er dort häufig zur Invalidität führt. Im Bereich der unteren Extremitäten (= Beine) tritt der Mor bus Sudec k bevorzugt im Bereich des Fuß es auf.

Diagnostik:

  1. Typische Vorgeschichte (meist aber nicht zwingend) nach einer Verletzung oder auch nach einer Operation
  2. Körperliche Untersuchung - Inspektion (= Betrachtung des Patienten zur Feststellung des körperlichen Zustandes und eventueller krankhafter äußerer Veränderungen) und Palpation (= Tastuntersuchung der Körperoberfläche zur Beurteilung von Konsistenz, Elastizität, Beweglichkeit, Schmerzempfindlichkeit usw.)
  3. Röntgenuntersuchung - Auf dem Röntgenbild sieht man eine typische, fleckige Osteoporose (= Systemerk rankung des Skeletts mit Verminderung der Knochenmasse). Nahezu zwingend ist der direkte Vergleich (im gleichen Strahlengang) mit der gesunden Seite.

Behandlung:

1)

Systemisch (= den Gesamtorganismus betreffende) medikamentöse

 

Behandlung:

  • Im akuten Stadium ist Kortison hilfreich, so. z.B. Metylprednisolon über 4-5 Tage 80 mg, dann über 2 Wochen wieder ausschleichen. Zuvor muß allerdings eine "echte" En tzündung ausgeschlossen werden.
  • Trizyklische Antidepressiva (= Mittel gegen die Depression, u.a. aber auch bei dieser Schmerzerkrankung hilfreich). Ganz wichtig ist, daß der Patient über eine solche Verordnung aufgeklärt werden muß, denn damit soll primär nicht seine Psyche behandelt werden, sondern diese Medikamente wirken auch schmerzlindernd, in dem sie den Serotonin (= ein Gewebshormon)/ Noradrenalin (= Hormon des Nebennierenmarks) Re-uptake (= Wiederaufnahme) hemmen und somit der Schmerzentstehung entgegenwirken und auch zu einer Schmerzdistanzierung führen.
    Empfehlung: Amitriptylinund Clomipramin, bis zu 150 mg/Tag.
  • Bei Mor bus Sudec k bzw. CRPS Typ I (Komplexes regionales Schmerzsynd rom Typ I) können zur Schmerz bekämpfung eher Antiepileptika (= Mittel gegen die Fallsucht, u.a. aber auch bei bestimmten chronischen Schmerzen hilfreich) gegeben werden (Tremount-Lukats et al. 2000). Als wichtigste Medikamente aus dieser Gruppe gelten heute Gabapentin und Pregabalin. Die Aufdosierung kann relativ rasch erfolgen, je nach Toleranz).
  • Die generelle Empfehlung direkter Schmerzmittel ist schwierig, da die Ansprechbarkeit sehr individuell ist. Es sollte deshalb zuvor eine Analgetika austestung erfolgen. Meist kommt man aber um die Verordnung zentral (= im Gehirn / Rückenmark) wirkender Analgetika (= Schmerzmittel) nicht herum.
  • Auch die Gabe von Calcitonin (= ein Gewebshormon) soll günstig sein, die Studienlage hierzu ist aber nicht eindeutig und uns hat die Wirkung nicht überzeugen können.
  • Schließlich wäre noch Phenoxybenzamin zu nennen (Thoden 1987), wir haben aber bisher noch keinen eindeutigen positiven Effekt gesehen, dafür aber nicht unerhebliche Nebenwirkungen.

Teilweise wird auch die Gabe von Bisphosphonaten empfohlen (Varenna M, et al 2000). Medikamente aus dieser Gruppe werden u.a. auch zur Behandlung der Osteoporose verwendet.
Aber:
Die amerikanische Arzneimittelagentur FDA erinnert in einem Warnhinweis Ärzte daran, dass es unter der Therapie mit Bisphosphonaten zu schweren Schmerzen im Bewegungsapparat kommen kann. Die europäische Arzneimittelagentur EMEA überarbeitet derzeit die Sicherheitshinweise einmal zu den kardiovaskulären Risiken von Bisphosphonaten und dann zur Gefahr von Kiefernekrosen.
http://www.aerzteblatt.de/v4/news/newsdruck.asp?id=30986(Jan. 2008)
Bereits 2004 wurde die Wirkung von Bisphosphonate bei C RPS I untersucht (Ruhr-Universität Bochum): Es zeigte sich weder eine Reduktion des Dauerschmerzes noch eine Verminderung der Schmerzattacken hinsichtlich Anzahl, Dauer und Intensität...... Die Schmerzreduktionen durch Bisphosphonate bei C RPS I-Patienten in anderen Studien könnten durch die im Frühstadium der Erkran kung wahrscheinlich häufig auftretenden Spontanremissionen zurückzuführen sein. http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=974924059&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=974924059.pdf

2) Lokale (= örtliche) medikamentöse Therapie bei Morbus Sudeck:

  • Fettige DMSO (Dimethylsulfoxid) - Creme bzw. Gel, 4 mal /Tag aufgetragen (Zuurmond WW, 1996).

3) Spezielle Schmerztherapie / Therapeutische Lokalanästhesie

Die konsequente Anwendung der therapeutischen Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) führt beim CRPS I zu beachtlichen Erfolgen.
Für den Bereich der Arme hat sich die Blockade
(= Betäubung) des Ganglion stellatum (= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich) bewährt, optimal in kontinuierlicher Form mit Katheter*.Die Stellatumblockade kann auch als GLOA (= mit einem Opiod) durchgeführt werden, Nachteil dieser Methode ist aber, daß kaum ein durchblutungsfördernder Effekt eintritt.
Auch die kontinuierliche Blockade des Plexus brachialis mit Katheter* ist sehr hilfreich und auch risikoärmer als Stellatumblockaden, zumal das Nerven
geflecht des Arm es reich an vegetativen Fasern ist, so daß es neben der erwünschten Hemmung der Nozizeption (= Schmerzreizleitung) auch zu einer Steigerung der Durchblutung kommt und somit die gestörte Mikrozirkulation im Schmerz bereich optimiert wird.

Im Bereich der Beine (einschließlich Hüfte) kommen bei dieser Kran kheit ebenso kontinuierliche Blockadetechniken* zur Anwendung:

· Hüfte: Kontinuierliche Blockade des P lexus lumbal is mittels N. femoralis Katheter*

· Oberschenkel, Knie, vorderer Unterschenkel: Kontinuierliche Blockade des N. femoral is* (periphere Variante)

· Unterschenkel (hinten und außen) sowie Fuß: Kontinuierliche Blockade des N. ischiadicus*

Auch die Nerven femoral is und ischiad icus führen vegetative Fasern, so daß die erwünschte Sympathikolyse (= gefäßerweiternde und damit durchblutungssteigernde Wirkung) ebenfalls eintritt.
Als nächst höhere Therapiestufe bietet sich dann die kontinuierliche epidurale Blockade*
(= rückenmarknahe Betäubung) mit Katheter* an.
Das CRPS I erfordert eine längerfristige Blockadebehandlung (mindestens 3 bis 4 Wochen).

Daß serielle/kontinuierliche Nervenblockaden bei CRPS sehr hilfreich sind, ist auch schon seit längerem in der Fachliteratur gut dokumentiert. Z.B. Lehmann, K.A.: postoperative Schmerztherapie, WVGmbH Stuttgart, 485-93 (1993). - Murray, P., Floor, K., Atkinson, R. E.: Continuous axillary brachial plexus blockade for reflex sympathetic dystrophy - Anaesthesia 50 (7), 633-5 (1955). - Ribbers, G.M., Geurts, A. C., Rijken, R. A., Kerkkamp, H. E.: Axillary brachial plexus blockade for the reflex sympathetic dystrophy syndrom. Auch in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation sind zur Behandlung beim komplexen reg
ionalen Schm erzsyndrom (Symp athische Reflexdyst rophie) Nervenblockaden aufgeführt - http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll-na/036-006.htm

Begleitend hat sich auch eine Infusionsserie mit Lidocain (z.B. Xylocain 2%) (= ein mittellang wirkendes, örtliches Betäubungsmittel) als hilfreich erwiesen. Dabei werden unter Puls- bzw. EKG-Kontrolle (Monitor) in aufsteigender Dosierung jeweils 50, 100 u. 150 mg gelöst in 200 ml Kochsalz 0,9% mit Hilfe einer Infusionspumpe (z.B. Infusomat) innerhalb eine Stunde verabreicht, wobei sicherheitshalber ein Abstand von 24 Stunden zwischen den einzelnen Infusionen eingehalten werden sollte.

Man kann Lidocain auch serienmäßige mittels intraarterieller Injektionen (= Spritzen in eine Schlagader) in die A. femoralis (= Beinschlagader) oder A. brachialis (= Schlagader des Armes) verabreichen, so z.B. 2-3 mal täglich 1-1,5ml (= 20-30 mg) im Abstand von 8-12 Stunden über 10 Tage. Dabei gelangt das örtliche Betäubungsmittel in die sog. Endstrombahn und führt dort zu der gewünschten Gefäßerweiterung (Sympathi kolyse) bei gleichzeitiger Schmerzlinderung. Selbst wenn die Blutader nicht genau getroffen wird, tritt trotzdem eine gefäßerweiternde Wirkung ein, da um das Blutgefäß herum sympathische (= Teil des unwillkürliche Nervensystem betreffende) Nervenfasern verlaufen. Aus diesem Grunde wird in der klassischen Neuraltherapie bewußt um das Gefäß herum infiltriert.

Manche Autoren empfehlen sog. Sympathikus-Blockaden mit Guanethidin. Der Wirkstoff findet auch zur Behandlung eines Bluthochdrucks Verwendung. Der Wirkmechanismus beruht auf der Verminderung der Freisetzung des Botenstoffs Noradrenalin aus den Endigungen der Nervenzellen. Vorteil dieser intravenösen Blockademethode (= das Medikament wird in ein zum Herzen zurückführendes Gefäß eingespritzt, wobei aber z.B. der Arm vorübergehend abgestaut wird) ist, daß die Wirkung bis zu 72 Stunden anhalten kann. Nachteil ist das gegenüber den Nervenblockaden deutlich erhöhte Behandlungsrisiko und die dabei auftretenden Schmerzen.

4) Andere, zusätzliche Maßnahmen:

· Akupunktur (Schmerzakupunktur)

· Als physikalische Therapiemaßnahme eignet sich bei dieser Schmerzerk rankung die Ultraschallbehandlung (Thomalske 1991).

· Auch eine Magnetfeldtherapie (pulsierende Signaltherapie) kann sehr hilfreich sein, gleiches gilt für die Hochtontherapie.

· Ganz wichtig sind therapiebegleitend intensive krankengymnastische Übungsbehandlungen (auch Lymph drainagen) und eine funktionelle Ergotherapie. Die krankengymnastischen Übungsbehandlungen dürfen aber nicht schmerzhaft sein, weil sich sonst die Blutgefäße zusammenziehen und damit die lokale Stoffwechselstörung begünstigt wird. Optimal ist die Krankengymnastik, wenn durch die eben beschriebene Blockadebehandlung die Schmerzreizleitung weitgehend ausgeschaltet wird.

· Hypnoide (= bewußtseinsverändernde) Verfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson aber auch ein Schmerzbewältigungstraining sind eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie.

Neuerdings führen wir bei einem CRPS I im Bereich der unteren Extremitäten (= Beine) zusätzlich mit gutem Erfolg die SynOpsis Therapie durch. Die Unterschenkel des Pat. befinden sich dabei in einem mit Wasser gefüllten Gefäß. Über einen Computer werden der Flüssigkeit Schallwellen einer bestimmten Frequenz pulssynchron (= in Abhängigkeit vom Pulsschlag) zugeführt. Es handelt sich dabei um ein sog. syncardiales (= im gleichen Rhythmus wie das Herz durchgeführtes) Gefäßtraining. Über eine Verbesserung der Durchblutung wird der lokal (= örtlich) gestörte Stoffwechsel optimiert. Mehr über diese Therapie erfahren Sie hier: www.1-avk.de (einfach anklicken).

Wer zahlt eine erforderliche, stationäre Rehabilitationsbehandlung?
(Originaltext der Bundesregierung): "Die Krankenversicherung finanziert Rehabilitationsleistungen, wenn diese erforderlich sind, um eine Kran
kheit zu erkennen, zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder Beschwerden zu lindern, sofern die Erwerbsfähigkeit nicht erheblich gefährdet oder gemindert ist. Sie ist auch zuständig, wenn es darum geht, einer drohenden Behinderung oder Pflegebedürftigkeit vorzubeugen".
Hinzu kommt seit dem 1.4.2007, daß alle gesetzlich versicherte Personen einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation haben und sich ihre Rehabilitationseinrichtung jetzt sogar selbst aussuchen können.
Die Rentenversicherungen sind demnach nur dann zuständig, wenn die "Behandlungen der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit bzw. Wiedereingliederung ins Berufsleben dienen". Wenn also Ihre Rentenversicherung in diesem Sinne laut Bescheid keinen Handlungsbedarf sieht, dann ist Ihre Krankenkasse für die Kostenübernahme der stationären Rehabilitation zuständig. - Die Originaltexte finden Sie hier: http://www.die-gesundheitsreform.de/gesundheitssystem/themen_az/infoblaetter/rehabilitation/index.html?param=st


2) CRPS Ty p II, früher als Kausalgie bezeichnet.

Charakteristika für der Vorliegen eines CRPS Ty p II (Kausalgie):

  1. Schädigung eines Nervenstammes infolge einer vorangegangenen Nervenverletzung bzw. Nervenläsion
  2. Ständiger Brennschmerz
  3. Schmerz überempfindlichkeit der Haut gegenüber mechanischen Reizen ((Hyperalgesie bis hin zu Allodynie (= Berührungsschmerz))
  4. Die Schmerzen sind nicht obligatorisch auf das Versorgungsgebiet des geschädigten Nerven begrenzt
  5. Die reg ionalen Schmerzen gehen mit Durchblutungsstörungen und Störungen der Schweißsekretion einher. Es können auch Ödeme (= Schwellungen) auftreten

Nach Nervenverletzungen kann es zu Nervenschmerzen bzw. zu einem CRPS II kommen. Das Krankheitsbild ist charakterisiert durch qualvolle, glühend- brennende Schmerzen der betroffenen Gliedmaße, auslösbar oder verstärkt schon durch leiseste Berührung ((evtl. auch entfernter Körperstellen (Synaesthesalg ie)), durch optische oder akustische Reize, Trockenheit (Xerosalg ie), Wärme, Affekte oder bloße Schmerzvorstellung (Sympsychalg ie). Meist bestehen ferner Störungen der Durchblutung u. der Hauttrophik (= Ernährungs-/Wachstumszustand der Haut). Die Schmerzauslösung schon durch geringe Berührung läßt an Triggermechanismen wie bei einer Neuralgie denken, nicht selten wird deshalb ein CRPS II fälschlicherweise als Neuralgie bezeichnet. Die Schmerzausbreitung ist aber unabhängig vom Innervationsgebiet (= Versorgungsgebiet eines Ner ven), erfolgt evtl. auch auf die gegenseitige Glied maße (Alloparalgie).

Medikamentöse Schmerzbehandlung:
Akut
(= plötzlich einsetzend, heftig) und subakut (= eher schleichend verlaufend) können zunächst sog. nicht steroidale Antirheumatika (= Rheumamittel) (möglichst lang wirkende und magenschonende wie z.B. Meloxicam) eingesetzt werden. Besonders magenschonend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib oder Etoricoxib, allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Manchmal sind aber die Schmerz
zustände nur mit zentral wirkenden Analgetika (z.B. Tramadol, Tilidin mit Naloxon) (= im Gehirn bzw. Rücken mark wirkende Schmerzmittel) beherrschbar.
Sehr hilfreich ist bei einer Kausalg
ie die Gabe von Carbamazepin (= ein Mittel zur Behandlung der Fallsucht, aber auch bei diesen Schmerzen wirksam). Gabapentin oder Pregabalin wirken aber oft besser, sind aber auch teurer.
Pyrimidinnukleoside, ein Salzgemisch aus Uridin-5'-triphosphat-Trinatriumsalz.2H2O, Uridin-5'-diphosphat-Dinatriumsalz und Uridin-5'-monophos-phat-Dinatriumsalz, wirken den Folgen von Nervenschädigungen entgegen und können deshalb bei CRPS II versucht werden.
Grundsätzlich sollte aber eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar Abhängigkeit vermieden werden. Die Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression, aber auch bei chronischen Schmerzen wirksam) (z.B. Doxepin, Maprotilin) oder auch Neuroleptika hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.

Als hilfreich hat sich auch eine Infusionsserie mit Lidocain 2% (= ein mittellang wirkendes, örtliches Betäubungsmittel) erwiesen. Dabei werden unter Pulskontrolle (Monitor) in aufsteigender Dosierung jeweils 50, 100 u. 150 mg gelöst in 200 ml Kochsalz 0,9% mit Hilfe einer Infusionspumpe (z.B. Infusomat) innerhalb eine Stunde verabreicht, wobei sicherheitshalber ein Abstand von 24 Stunden zwischen den einzelnen Infusionen eingehalten werden sollte.

Man kann Lidocain 2% auch serienmäßige mittels intraarterieller Injektionen in die A. femoralis oder A. brachialis (= Spritzen in die Bein - oder Arm schlagader) verabreichen, je nach Lokalisation (= Ort) der Schmerzerkrankung, so z.B. 1-2 mal täglich 1-1,5ml (= 20-30 mg) im Abstand von 8-12 Stunden über 10 Tage. Dabei gelangt das örtliche Betäubungsmittel in die sog. Endstrombahn dort zu der gewünschten Gefäßerweiterung bei gleichzeitiger Schmerzlinderung. Selbst wenn die Blutader nicht genau getroffen wird, tritt trotzdem eine gefäßerweiternde Wirkung ein, da um das Blutgefäß herum sympathische (= Teil des unwillkürliche Nervensystem betreffende) Nervenfasern verlaufen. So wird z.B. in der Neuraltherapie aus diesem Grunde bewußt um das Gefäß herum infiltriert.

Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika):
Sehr hilfreich sind wiederholte Nervenblockaden (= Betäubungen) mit einem lang wirkenden Betäubungsmittel, optimal kontinuierliche mit Katheter*. Dabei wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Ner ven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht "aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels (Lokalanästhetikum) durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden.
Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben.
Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Ner
ven betroffen sind (Sympathikolyse), woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung und damit Optimierung des lokalen (= örtlichen) Gewebs- und Nervenzellstoffwechsel resultiert (besonders wichtig bei der CRPS II).
Nach neueren Erkenntnissen kann diese intensive Blockadetherapie das sog. Schmerzgedächtnis löschen.

Physikalische Therapie:
Auch die Elektrostimulation kann bei CRPS II eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane
(= über die Haut verabreichte) Stimulation mit Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden möglichst nahe am Schmerzbereich aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden.Auch eine sog. Hochtontherapie kann sehr hilfreich sein.
Nahezu unverzichtbar ist bei der Kausalg
ie eine funktionserhaltende heilgymnastische Therapie.

Andere Therapiemaßnahmen:
Der Vollständigkeit halber darf die Akupunktur (Schmerzakupunktur) nicht unerwähnt bleiben.
Hypnoide Verfahren
wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind bei einem chronifizierten CRPS II im Rahmen einer psychologischen Schmerztherapie eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie, ebenso ein Schmerzbewältigungstraining.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade eines Ner ven mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Ner ven vorübergehend (z.B. 10-14 Tage) eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht “aufgeschnitten” werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das Lokalanästhetikum (= örtliches Betäubungsmittel) völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt, damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben, in manchen Fällen durch die gleichzeitige Hemmung der Schmerzreizleitung dadurch sogar erst möglich werden. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Ner ven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung und damit Optimierung des Nervenstoffwechsels (besonders wichtig beim CRPS II) resultiert.
Nach neueren Erkenntnissen vermag diese intensive Blockadetherapie das sog. Schmerzgedächtnis löschen.

Die invasiven (= in den Körper eindringenden) Therapiemethoden der speziellen Schmerz-therapie setzen eine sehr gründliche fachärztliche Ausbildung voraus, weshalb sie nur in wenigen therapeutischen Einrichtungen angeboten werden können. Insbesondere sind die kontinuierlichen Blockaden mittels eingepflanztem Katheter in Deutschland nur in ganz wenigen Schmerzzentren (Schmerzkliniken) durchführbar, so z.B. in Bad Mergen theim.

Haftungshinweis:
Für die gemachten Angaben wird keine Gewähr übernommen; im Einzelfall ist immer ein Arzt zu konsultieren. Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir auch keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.

-------------------------------------------------

aktualisiert: >05.03.2008</>kusb& http://www.crps.me.uk